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Herstellung und Potenzierung

Homöopathische Arzneimittel unterscheiden sich grundlegend von konventionellen Medikamenten – nicht nur in ihrer Wirkung, sondern bereits in der Art ihrer Herstellung. Der Prozess ist streng geregelt, basiert auf überlieferten Prinzipien und unterliegt heute gleichzeitig modernen pharmazeutischen Standards.

In diesem Artikel erfährst du, wie homöopathische Mittel hergestellt werden, was es mit den verschiedenen Potenzen auf sich hat – und warum viele Menschen der Methode seit über 200 Jahren vertrauen.

Die Herstellung homöopathischer Arzneimittel

Die Grundlage eines homöopathischen Mittels ist eine sogenannte Urtinktur. Diese wird aus natürlichen Ausgangsstoffen gewonnen – je nach Mittel aus Pflanzen, Mineralien oder tierischen Produkten.

Schritt-für-Schritt zur homöopathischen Arznei:

  1. Ausgangsstoffe sammeln: z. B. Pflanzenextrakte, Mineralien, tierische Substanzen
  2. Herstellung der Urtinktur: z. B. durch Auszug mit Alkohol oder Verreibung
  3. Potenzierung: mehrfaches Verdünnen und „Dynamisieren“ (Verschütteln oder Verreiben)
  4. Abfüllung: in Form von Globuli, Tropfen oder Tabletten

Die gesamte Herstellung unterliegt dem Homöopathischen Arzneibuch (HAB) – einem offiziellen Regelwerk, das genaue Vorschriften zur Reinheit, Verdünnung und Verarbeitung enthält.

Was bedeutet „Potenzierung“?

Das Besondere an der homöopathischen Herstellung ist die sogenannte Potenzierung. Dabei wird die Urtinktur in mehreren Schritten verdünnt – und nach jedem Schritt verschüttelt oder verrieben, um die „Kraft“ der Substanz zu aktivieren.

Aus homöopathischer Sicht geht es nicht um die materielle Menge eines Wirkstoffs, sondern um die energetische Information, die auf den Körper wirken soll. Mit jeder Potenzierungsstufe steigt diese Wirkung – obwohl die eigentliche Substanz kaum noch (oder gar nicht mehr) nachweisbar ist.

Die verschiedenen Potenzen erklärt

D-Potenzen (Dezimalpotenzen)

  • Verdünnung im Verhältnis 1:10
  • Beispiel: D6 = 1 Teil Substanz + 9 Teile Trägersubstanz, 6-mal potenziert
  • Häufig bei körperlichen Beschwerden im Einsatz
  • Sanft, gut verträglich – oft für die Selbstbehandlung empfohlen

C-Potenzen (Centesimalpotenzen)

  • Verdünnung im Verhältnis 1:100
  • Beispiel: C30 = 1 Teil Substanz + 99 Teile Trägersubstanz, 30-mal potenziert
  • Stärker verdünnt, häufig bei emotionalen oder chronischen Beschwerden
  • In der Regel von erfahrenen Therapeut:innen angewendet

LM-Potenzen (Q-Potenzen)

  • Verdünnung im Verhältnis 1:50.000
  • Sehr feine Potenzierung mit täglicher Einnahmemöglichkeit
  • Geeignet für langfristige, tiefgreifende Behandlungen
  • Anwendung meist unter ärztlicher oder heilpraktischer Aufsicht

Wie unterscheiden sich die Potenzen in der Wirkung?

In der Homöopathie gilt: Je höher die Potenz, desto tiefer greifend soll die Wirkung sein – allerdings auch feiner und weniger körperlich spürbar. Während niedrige Potenzen eher lokale oder akute Beschwerden adressieren, werden höhere Potenzen eher bei emotionalen, psychosomatischen oder chronischen Erkrankungen eingesetzt.

Eine typische Faustregel:

PotenzAnwendungsbereich
D6, D12Akute körperliche Beschwerden, z. B. Schnupfen, Magenverstimmung
C30Wiederkehrende Beschwerden, emotionales Ungleichgewicht
C200+Chronische Erkrankungen, tiefgreifende Prozesse (nur unter Anleitung)
LM-PotenzenKonstitutionstherapie, Langzeitbehandlung

Globuli, Tropfen oder Tabletten – spielt das eine Rolle?

Die Darreichungsform homöopathischer Mittel hat meist keinen Einfluss auf die Wirkung. Wichtig ist die korrekte Einnahme und Dosierung – sowie die Auswahl des richtigen Mittels in der passenden Potenz.

Die häufigsten Formen:

  • Globuli: kleine Zuckerkügelchen – ideal für unterwegs und Kinder
  • Tropfen: meist auf Alkoholbasis – individuell dosierbar
  • Tabletten: zergehen langsam im Mund – besonders praktisch bei höheren Potenzen

Herstellung mit Verantwortung: Qualität zählt

Homöopathische Mittel werden in Deutschland von spezialisierten Apotheken und Herstellern unter strengen Qualitätskontrollen produziert. Jede Charge durchläuft mehrere Prüfschritte – auch wenn es sich um hochverdünnte Substanzen handelt.

Der Herstellungsprozess folgt den Richtlinien des Deutschen Arzneibuchs (DAB) und des Homöopathischen Arzneibuchs (HAB) – damit Sicherheit und Wirksamkeit garantiert werden können.

Fazit: Herstellung und Potenzen – die Basis der Homöopathie

Die Herstellung homöopathischer Mittel ist ein sorgfältiger Prozess, der Tradition und moderne Qualitätsstandards verbindet. Die Potenzierung ist dabei mehr als nur Verdünnung – sie ist das Herzstück der homöopathischen Heilmethode.

Je nach Beschwerdebild und persönlicher Konstitution kommen unterschiedliche Potenzen zum Einsatz – von sanften D6-Globuli bis hin zu tief wirkenden LM-Potenzen.

➡️ Du willst wissen, welche Potenz für deine Beschwerden geeignet ist? In unseren weiterführenden Artikeln erfährst du mehr zur Anwendung homöopathischer Mittel, zur individuellen Mittelwahl und zur Kostenübernahme durch Krankenkassen.